Wenn man an Olympische Spiele denkt, hat man meist Bilder von perfekt durchtrainierten Athletinnen und Athleten vor Augen, die seit frühester Kindheit in ihrem Sport zu Hause sind. Unsere Winter-Olympics im ILS erzählen eine andere, ebenso starke Geschichte – und genau deshalb war der Besuch von Skeleton-Olympionikin Tanja Morel für unsere Lernenden so bedeutsam.

Tanja stand bei unserer Abschlussfeier vor den Kindern – mit ihren echten Wettkampfmedaillen und -pokalen, ihrer Ausrüstung und vor allem mit einer Biografie, die Mut macht. Sie erzählte, dass sie ihre Sportart, Skeleton, erst mit 17 Jahren entdeckt hat. Ein Alter, in dem viele Spitzenathletinnen schon eine jahrelange Karriere hinter sich haben. Und doch hat sie es bis an die Winterspiele 2006 in Turin geschafft.

Diese eine Tatsache hat die Kinder tief beeindruckt: Du musst nicht mit fünf Jahren wissen, was du einmal werden willst. Du darfst Neues ausprobieren, dich umentscheiden, später einsteigen – und trotzdem Grosses erreichen. Was es dafür braucht, sind Wille, Disziplin und die Bereitschaft, an sich zu glauben, wenn andere zweifeln.

Unsere Winter-Olympics waren mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. Die Kinder haben sich in verschiedenen Disziplinen gemessen, Medaillen gestaltet, Regeln festgelegt und gemeinsam über Fairness gesprochen. Als Tanja schliesslich die Medaillen überreichte, bekamen all diese Erfahrungen einen zusätzlichen Rahmen.

In ihrer Botschaft an die Kinder betonte Tanja, dass Träume kein Ablaufdatum haben. Dass es nie zu spät ist, etwas Neues anzufangen. Und dass es oft genau dieser „späte Start“ ist, der dafür sorgt, dass man bewusster, fokussierter und mit mehr innerer Überzeugung unterwegs ist. Für viele unserer Schülerinnen und Schüler war das ein Aha-Moment: Sie müssen jetzt noch nicht perfekt sein – sie müssen nur bereit sein, den nächsten Schritt zu gehen.

Für uns als Schule sind solche Begegnungen unbezahlbar. Sie verbinden Sport mit Charakterbildung, Leistung mit innerer Haltung. Tanja hat unseren Winter-Olympics eine Tiefe gegeben, die weit über Medaillen und Zeiten hinausgeht. Sie hat gezeigt, dass Erfolg nicht linear verläuft – und dass man seine Träume auch dann verfolgen darf, wenn man vermeintlich „spät dran“ ist.