Es gibt Besuchstage, die nett sind – und es gibt Besuchstage, die etwas im Inneren in Bewegung setzen. Der Tag, an dem Karl Müller von Kybun Joya bei uns war, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Schon beim Ankommen war zu spüren, dass da jemand vor den Kindern steht, der nicht einfach „einen Vortrag hält“, sondern wirklich etwas zu erzählen hat. Kein Hochglanz‑Lebenslauf, sondern ein Weg voller Umwege, Zweifel, Mut und Entscheidungen. Genau das hat Karl mit einer entwaffnenden Offenheit geteilt: Wie Ideen entstehen, warum Scheitern dazugehört und weshalb es sich lohnt, dranzubleiben, wenn andere längst aufgeben würden.

Das Beeindruckende passierte aber vor allem nach seinem Besuch. Unsere Schülerinnen und Schüler gingen nach Hause – und kamen am nächsten Tag mit strahlenden Augen zurück. Sie erzählten, wie sie ihren Eltern von Karl berichtet haben, wie sie Fragen gestellt und begonnen haben, über ihren eigenen Weg nachzudenken: „Was möchte ich einmal erfinden?“, „Was könnte ich selbst aufbauen?“ Plötzlich war Unternehmertum kein abstraktes Wort mehr, sondern mit einem echten Menschen verbunden.

Für uns ist genau das der Kern unseres Bildungsverständnisses: Kinder sollen nicht nur Inhalte lernen, sondern auch Menschen begegnen, die etwas in ihnen anstossen. Sie dürfen – wie wir Erwachsenen – selbst wählen, von wem sie lernen wollen. Wenn sie sich dann bewusst für einen Mentor entscheiden, entsteht ein anderes Zuhören, ein anderes Fragen, eine andere Tiefe. Lernen wird persönlich.

Karl hat diese Rolle als Mentor intuitiv angenommen. Er hat nicht von oben herab gesprochen, sondern auf Augenhöhe. Er hat zugehört, neugierige Fragen der Kinder ernst genommen und sie ermutigt, gross zu denken – ohne die Realität auszublenden. Diese Mischung aus Bodenhaftung und Vision hat sie sichtbar beeindruckt.

Ganz praktisch ist aus diesem Tag auch noch etwas entstanden: die Idee, Karl in seiner Welt zu besuchen. Wir freuen uns schon jetzt auf unseren Besuch in der Produktionsstätte von Kybun Joya in Sennwald – und vielleicht entsteht dabei sogar unser eigener Schuh, den die Kinder mitgestalten dürfen. Allein diese Vorstellung lässt ihre Kreativität sprühen: Welche Farben, welche Funktionen, welche Zielgruppe? Lernen wird zum echten Projekt, nicht zur Schulübung.

Unser Fazit nach diesem besonderen Tag: Vorbilder wie Karl Müller sind kein „nettes Extra“ im Schulalltag, sondern ein wesentlicher Bestandteil zukunftsorientierter Bildung. Sie zeigen Kindern, dass Geschichten, wie sie in Büchern stehen, von echten Menschen geschrieben werden – und dass auch sie selbst eines Tages Autorinnen und Autoren ihrer eigenen Geschichte sein können.